Aus der Partnerschaftsarbeit- Igongolo

Am 31. Juli konnten wir erstmals den Partnerschaftsgottesdienst mit dem gesamten Partnerschaftskreis Feldkirchen-Kirchheim in der Cantate Kirche in Kirchheim feiern. Die Ferienregelung und Terminschwierigkeiten in beiden Gemeinden führten zu der Idee, in diesem Jahr den Gottesdienst zusammen zu feiern. Unser Thema in diesem Jahr: Die Verschiedenheiten beider Länder und Gemeinden. Seit 32 Jahren besteht nun schon die Partnerschaft zwischen Igongolo und Feldkirchen-Kirchheim. Anfangs schrieb man sich gegenseitig Briefe, was – wie man sich vorstellen kann – oft sehr beschwerlich war. Inzwischen verständigt man sich über Email, SMS und Whats-App, wodurch die Kommunikation um einiges einfacher geworden ist. Auch deshalb, weil unsere Partner immer besser Englisch sprechen. Ganz wichtig, um sich kennenlernen zu können, sind die gegenseitigen Besuche. So erfährt man etwas über die Gemeinsamkeiten, aber auch über die Unterschiede, die das alltägliche Leben bestimmen. Vor allem das Familienleben, die Kindheit und Jugendzeit in Tansania unterscheiden sich doch sehr von dem, was wir hier in Deutschland erleben. Die Babies werden in Tansania 2 Jahre gestillt, und diese Zeit verbringen sie stets mit
der Mutter zusammen. Sie werden auf den Rücken gebunden und überall mit hingetragen. Nach 2 Jahren wird das Kind ein Teil der Familie – es ist kein Individuum – wie bei uns. Es sieht, wie die Geschwister spielen und ihre Aufgaben in der Familie erfüllen und lernt von ihnen. Zu den Großeltern ist die Beziehung besonders eng. Der Vater steht in der Hierarchie der Familien an erster Stelle. Das 4. Gebot wird in Tansania sehr ernst genommen. Durch die Rahmenbedingungen unterscheidet sich die Schulbildung auch sehr deutlich von der bei uns. Schule hat in Tansania einen anderen Stellenwert als bei uns. Die Kinder freuen sich, wenn sie lernen dürfen und nicht arbeiten müssen. Durch die Abschaffung der Schulgebühren (zumindest für die Grundschulen) ist ein Schulbesuch mittlerweile auch für mehr Kinder möglich. In den Dorfschulen gibt es keine Computer oder Beamer, geschweige denn Whiteboards. Nicht unüblich sind Klassenstärken von 50 Kindern oder sogar mehr. Oft müssen sie sich zu fünft ein Buch teilen (wenn überhaupt Schulbücher vorhanden sind). Manchmal, aber nicht immer, haben die Kinder ein Heft und vielleicht einen Bleistift zur Verfügung. Ganz anders als bei uns, wo die Einkaufslisten am Schuljahresanfang Bände sprechen! Die Unterrichtsmethoden, die angewendet werden, sind geprägt durch Nachsprechen im Chor, Frontalunterricht und Einzelarbeit. Als Pfarrer Kabelege im letzten Jahr bei uns zu Besuch war, hat ihn Frau Minkus mit in ihre Schule genommen – die Wirkung auf ihn kann man sich kaum vorstellen. Dennoch hat er den Schülern den Rat gegeben: „Schätzt alles, was ihr hier habt, nutzt es und lernt gut“! Wie geht es dann nach der Schule weiter? Es gibt keine organisierte und standardisierte Ausbildung mit Berufsschule wie bei uns. Die Jugendlichen arbeiten bei ihren Eltern in der Landwirtschaft, andere versuchen ihr Glück in den Großstädten wie Njombe oder Makambako. Ein paar bleiben in Igongolo und machen dort eine handwerkliche Ausbildung. Z. B. hat der Schreiner Philipo meist einen Lehrling, der bei ihm das Handwerk lernt. Auch eine Schneiderschule gibt es in Igongolo. Sie besteht aus einem Raum, in dem ein paar Nähmaschinen stehen, an denen junge Frauen das Nähen lernen. In Tansania verdienen die jungen Leute während der Ausbildung kein Geld. Sie müssen die Ausbildung sogar selbst bezahlen! In Ilembula wird derzeit eine Fittingschool (Berufsschule) aufgebaut. Durch Spenden aus den Münchner Partnergemeinden der Prodekanate München-Ost/Südost haben vor kurzem 20 Männer und Frauen mit der Ausbildung zum KfZ-Mechaniker begonnen. Mit dem diesjährigen Jahresprojekt wollen wir nun den weiteren Ausbau der Berufsschule unterstützen – es geht dabei um Räumlichkeiten und die technische Ausstattung für einen weiteren Zweig, nämlich für eine Schreinerei und für die damit verbundene Holzverarbeitung.
Manches ist für uns befremdlich, was man über die „Anderen“ erfährt, hört und miterlebt. Vieles ist in Tansania, den „Anderen“, wie bei uns vor 60 Jahren... Wir sind „modern“! Doch fallen bei uns leider viele Familien auseinander, die Kinder sind ohne Disziplin, usw... Trotz der Unterschiede: Wir sind alle Gottes Kinder, wir gehören alle zur Familie Gottes. Wir können uns in unserer Unterschiedlichkeit annehmen, voneinander lernen und uns als Christen kennenlernen und annehmen.
Margit Schauer